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Soja-Ernte 2026 in Europa: Eine Auswertung unter Experten

Soja-Ernte 2026 in Europa: Eine Auswertung unter Experten

Bertalan Kruppa ist Marktanalyst bei Donau Soja. Dort beobachtet er die Entwicklung des Sojaanbaus in Europa und verfolgt, wie sich Erntemengen, Anbauflächen und Märkte über die ganze Saison hinweg verändern. Seine Marktreports gehören zu den wichtigsten Orientierungspunkten für Landwirt:innen, Verarbeiter:innen und Politik.

Unsere Expertin von Sojabohne.com, Lara-Sophie Huppertz, hat Herrn Kruppa zu einen Interview getroffen. Ihr Herz schlägt für die Sojabohne und sie ist deutschlandweit unterwegs, um Landwirt:innen dabei zu unterstützen, die „Königin der Leguminosen“ auf ihren Feldern anzubauen und zu vermarkten – und zwar erfolg- und ertragsreich.

Beide sind sich einig: Soja wird in Europa immer wichtiger, denn die Pflanze ist ein zentraler Eiweißlieferant, sowohl für Futtermittel als auch für Lebensmittel.

„Trotzdem“, so Bertalan Kruppa von Donau Soja, „ist die EU bei Soja stark von Importen abhängig. Der Selbstversorgungsgrad in Europa liegt derzeit bei rund 8 %. Ein Großteil der Importe kommt aus Südamerika und den USA.“

Genau hier setzt Donau Soja an. Die Organisation begleitet die gesamte Wertschöpfungskette, von der Landwirtschaft bis zur Verarbeitung. Landwirt:innen, Verarbeiter:innen und Handel setzen sich gemeinsam für eine nachhaltige, sichere und europäische Proteinversorgung ein.

Ob Europa mehr Soja selbst anbauen kann, entscheidet sich auf dem Feld. Und ob Deutschland, so wie es das Ziel von sojabohne.com ist, in 2030 die 100.000 Hektar schaffen kann? Ein gemeinsamer Blick auf die diesjährige Ernte zeigt, wo die EU-Länder heute stehen.

Herr Kruppa, wie wird die diesjährige Sojaernte in Deutschland und Österreich ausfallen, und welchen Einfluss hat das Wetter auf die Anbaubedingungen?

In Deutschland haben wir erfreuliche Nachrichten, die Produktion von Soja wird 2026 um ca. 2 % im Vergleich zum Vorjahr auf 134.000 Tonnen steigen. Der Grund dafür ist eine deutlich vergrößerte Anbaufläche, wenngleich die Hektarerträge niedriger ausfallen.

In Österreich ist die Lage deutlich angespannter. Für 2026 rechnen wir mit einem Rückgang der Sojaernte um ca. 30 %. Die Erträge fallen auf den niedrigsten Stand seit 13 Jahren. Hauptgrund ist die Rekordhitze, die weite Teile Westeuropas getroffen hat. Dazu kommt ein massiver Regenmangel: Laut GeoSphere Austria war das Niederschlagsdefizit in Österreich seit Messbeginn 1843 nie so groß wie heuer.

Mit welcher Sojaernte rechnen Sie 2026 im restlichen Europa, und wie schneidet Deutschland im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern ab?

In den meisten europäischen Ländern wird 2026 mit einem Rückgang der Erntemenge gerechnet. In den EU-27 Ländern, also den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, sinkt die Erntemenge von 2,97 Millionen Tonnen im Vorjahr um rund 20 % auf ca. 2,36 Millionen Tonnen. In der Ukraine, Europas größtem Sojaproduzenten, gehen die Prognosen noch weit auseinander. Die Spannweite reicht dabei von 3,8 bis 4,8 Millionen Tonnen geerntetem Soja, was einem Rückgang zwischen 2 und 20 % entspricht. In Serbien fällt die Ernte deutlich schlechter aus. Wir rechnen mit einem Minus von rund 40 % auf 100.000 bis 110.000 Tonnen rechnen. Vor drei Jahren lag die geerntete Menge noch bei 600.000 Tonnen. Ganz anders sieht es in Deutschland und Polen aus. Beide Länder haben den Sojaanbau in den letzten Jahren deutlich ausgebaut. Damit dürfte Polen 2026 erstmals auf Platz 3 der EU-Sojaproduzenten aufsteigen, hinter Italien und Frankreich. Deutschland bleibt konstant auf Platz 7.

Welche EU-Länder können positiv bzw. negativ hervorstechen, und warum?

Als einzige Länder in der EU können Deutschland und Polen 2026 von der veränderten Lage profitieren. Dort wird voraussichtlich mehr Soja geerntet, vor allem weil die Anbaufläche wächst. Anders sieht es in Ungarn aus. Dort wird die Sojaproduktion im Vergleich zum Vorjahr um rund 45 % auf 95.000 Tonnen sinken. Das liegt zum einen an niedrigeren Hektarerträgen, zum anderen an einer geringeren Anbaufläche im Vergleich zu den Vorjahren.

Die Entwicklungen in Deutschland freuen mich persönlich sehr. Wir arbeiten aktiv daran, die Anbaufläche zu steigern. Und wie wird die diesjährige Sojaernte die Selbstversorgungsrate sowie die Importabhängigkeit der EU-27 verändern? Welche Rolle spielt dabei die Ukraine?

Der Selbstversorgungsgrad mit Soja lag in den vergangenen Jahren konstant bei rund 8 %. Ein Rückgang der Erntemenge um etwa 20 % würde den Selbstversorgungsgrad voraussichtlich um 1 bis 2 Prozentpunkte senken. Wie stark der Effekt tatsächlich ausfällt, hängt allerdings auch vom Verbrauch ab.

Die Ukraine spielt für gentechnisch verändertes Soja (GM) in Europa kaum eine Rolle. Für gentechnikfreie (non-GM) Lieferketten ist sie dagegen für die EU-27 von zentraler Bedeutung. Jährlich importiert die EU-27 erhebliche Mengen non-GM-Soja aus der Ukraine. Logistikprobleme und eine kleinere ukrainische Ernte könnten die Versorgung mit non-GM-Soja in der nächsten Saison deshalb spürbar beeinflussen.

Wie entwickeln sich die Preise für non-GM-Soja?

Die Preise für non-GM-Soja sind in den letzten Wochen deutlich gestiegen. Mitte Oktober kostete non-GM-Soja in Norditalien zwischen 513 und 518 EUR/t und in Süddeutschland 525 bis 530 EUR/t. Das ist der höchste Stand seit drei Jahren.

Besonders stark ist der Preis für proteinreiches non-GM-Soja in Norddeutschland gestiegen. Mit einer Preisspanne zwischen 670 und 680 EUR/t liegt er rund 10 % über dem Preis von vor einem Monat und etwa 50 % über dem Preisniveau Anfang des Jahres. Die Hauptgründe dafür sind vor allem kleinere Ernteerträge in der Ukraine und massive Probleme in der Logistik. Damit wird non-GM-Soja deutlich knapper und teurer als in den vergangenen Jahren.

Die deutschen Landwirt:innen wurden 2026 von externen Einflussfaktoren wie z. B. geopolitische Spannungen und logistischen Herausforderungen direkt beeinflusst. Welche direkten Auswirkungen hat dies auf den deutschen Markt?

Energie und Dünger sind teurer geworden, und die Produktionskosten steigen stark. Soja ist hier im Vorteil: Die Pflanze bindet Stickstoff aus der Luft und braucht deshalb weniger Stickstoffdünger als andere Getreidesorten. Zusätzlich sind die Preise für Soja im Inland gestiegen. Das hilft den Sojabäuer:innen bei ihren Einnahmen.

Und der Non-GM-Markt?

Vor allem der Krieg in der Ukraine macht dem deutschen Markt zu schaffen. Hinzu kommen höhere Transportkosten und Probleme beim Export über das Schwarze Meer. Die Ukraine ist ein wichtiger Lieferant für non-GM-Soja nach Deutschland, deshalb geraten genau diese Lieferketten unter Druck. Weniger Ware und höhere Importkosten treiben die Preise nach oben. Das bringt Verarbeiter:innen und Futtermittelhersteller:innen in eine schwierige Lage.

Wie schätzen Sie das Potenzial für den Sojaanbau in Europa, insbesondere in Deutschland, in den nächsten Jahren ein?

Innerhalb Europas haben Deutschland und Polen das größte Potenzial, den Sojaanbau auszuweiten. Die steigenden Temperaturen und die Verschiebung der Klimazonen machen Regionen für Soja interessant, die bisher kaum geeignet waren. Außerdem können optimierte, frühreifende Sorten weiter nördlich angebaut werden. Die wachsende Nachfrage nach europäischem non-GM-Protein spielt zudem eine wichtige Rolle im Ausbau der Kapazitäten in Europa.

Wie beeinflusst das Klima, wo Soja angebaut wird, und welche Regionen in Deutschland sind am besten geeignet?

Die Rekordhitze in diesem Sommer hat gezeigt, wie groß das Risiko ist. Die anhaltende Trockenheit und Dürre im Sommer bleiben das größte Problem für den Anbau von Soja in Deutschland. Ob solche Sommer in Zukunft zur neuen Normalität werden und wie sich das Potenzial nutzen lässt, bleibt abzuwarten. Dabei spielt eine große Rolle, wie gut sich Anbausysteme und Sorten an extremere klimatische Veränderungen anpassen lassen.

Für Deutschland sehen wir in den kommenden Jahren ein großes Anbaupotenzial, und zahlreiche Entwicklungen sprechen für die Vergrößerung der Anbaufläche. Bayern und Baden-Württemberg bleiben voraussichtlich die wichtigsten Anbauregionen, aber auch Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg können deutlich mehr Soja anbauen. Mittlerweise eignen sich rund 65 % der deutschen Ackerfläche grundsätzlich für den Sojaanbau.

Herr Kruppa, vielen Dank für das Interview und den fachlichen Austausch. Ich freue mich auf weiterhin gute Zusammenarbeit.

Bildrechte: Donau Soja